Längerer Grippeverlauf bei Senioren


Schwerer erkrankt, schneller gesund?
Längerer Grippeverlauf bei Senioren

Eine Grippe erweist sich besonders bei älteren Menschen als hartnäckig. Deutsche Forscher entdeckten einen möglichen Grund: Das Grippevirus vermehrt sich in älteren Menschen so langsam, dass ihr Abwehrsystem die Erkrankung zu spät erkennt.

Neue Theorie zur Virusvermehrung

Mit zunehmendem Alter leiden Menschen bei einer Grippeerkrankung länger unter den Symptomen. Bisher nahm die Fachwelt an, dass dieses Phänomen auf einer geschwächten Abwehr beruht, sodass sich die Viren leicht verbreiten können. Ganz anders bewerten nun Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig dieses Phänomen.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Prof. Michael Meyer-Hermann hat gemeinsam mit Kollegen aus den USA ein mathematisches Modell aufgestellt. Basis des Modells ist die Erkenntnis, dass mit zunehmendem Alter die Konzentration der Botenstoffe des Abwehrsystems, sogenannter Zytokine, steigt. „Den größten Unterschied der Zytokin-Pegel zwischen den verschiedenen Altersklassen beobachten wir in den ersten 24 Stunden nach der Infektion“, erklärt Dr. Esteban Hernandez-Vargas, einer der beteiligten Wissenschaftler vom HZI.

Abwehr fehlt es an Reizen

Eine höhere Grundkonzentration der Zytokine macht die Wirtszellen gegenüber dem Virus resistenter. Dadurch vermehrt sich das Virus in älteren Menschen mit hohem Zytokin-Pegel langsamer. In der Folge fehlen dem Abwehrsystem jedoch Reize anzugreifen und die Infektion bleibt bestehen. Denn nur wenn eine gewisse Reizschwelle überschritten wird, schreitet die Immunabwehr mit ganzer Kraft ein und bekämpft die Erkrankung zügig. „Um schnell wieder gesund zu werden, muss man also zunächst schwerer erkranken“, schlussfolgert Meyer-Hermann.

Auf Basis dieser Erkenntnisse suchen die Forscher nach Wegen, um in das Infektionsgeschehen bei Grippe einzugreifen. Ein Ansatz dafür wäre eine Therapie, die die Konzentration der Zytokine im Blut berücksichtigt und gegebenenfalls korrigiert. Wie man das umsetzen kann, wollen Meyer-Hermann und seine Kollegen als nächstes untersuchen.

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