|
Baumschnitt-Techniken
Stummelschnitt
Die Verstümmelung, welche vorsieht Platanen und andere Bäume
bis auf den Stamm Zurückzusetzen und zu verstümmeln, schadet
den Bäumen ungemein. Im Baum bilden die Blätter die Fabrikatsorgane,
welche die Produkte Kohlenhydrate, Zucker, Stärke, Holz, Sauerstoff,
Kühlung usw. hervorbringen. Schneidet man diese zurück, schadet
man dem Baum ungemein. So Können die Wurzeln der Bäume nicht
mehr ausreichend mit Assimilaten versorgt werden und sterben ab. Dies
hat zur Folge, dass die Bäume noch weniger Wasser und Nährstoffe
aufnehmen können und so ihre Substanz stark geschwächt wird.
Die Bäume werden aber auch in ihrem oberirdischen Aufbau stark
beeinträchtigt. die Schnittstellen ermöglichen Pilzen und
Bakterien Einlass, diese bringen das Holz zum Faulen und beeinträchtigen
somit das Standvermögen des Baumes. Bis sich aus den Stammresten
nach Jahrzehnten wieder eine ordentliche Krone gebildet hat entfallen
außerdem wichtige Eigenschaften des Baumes: Luftkühlung,
Luftreinigung, Kohlendioxidverzehr, und Sauerstoffabgabe.
Erziehungsschnitt
Beim Erziehungsschnitt an jungen Bäumen wird alles kranke, sterbende
und tote Holz entfernt. Sich kreuzende Äste und alle Äste,
die gefährlich werden können für das Lichtraumprofil
der Verkehrsstrassen und zum Vermeiden übermäßigen Schattens
für Wohnhäuser können ebenfalls entfernt werden. Man
denke immer daran, dass jede herkömmlich gestutzte Baumkrone nach
dem Beschneiden viel heftiger austreibt wie zuvor. Außerdem brechen
die neuen Äste viel leichter aus.
Auslichtungsschnitt
Müssen große Astpartien zum Reduzieren des Schattens entfernt
werden, dann soll ein Auslichtungsschnitt durchgeführt werden.
Er besteht darin, dass ein Ast, jeweils ganz bis zur Basis am nächst
stärkeren Ast zurückgenommen wird. Dabei schließen sich
die Wunden schneller und besser; es entfällt auch das Entstehen
von dichten Astquirlen
Bei einer Auftragserteilung sollte man sich unbedingt einen Nachweis
über die Qualifizierung des Anbieters zeigen lassen, um nicht um
sein Geld gebracht zu werden. Außerdem ist der Nachweis einer
Haftungsversicherung wichtig, denn leider darf sich zurzeit noch jeder
Baumwart nennen, der eine Axt oder Säge besitzt.
Die Durchführung des Schnittes erfolgt in Etappen. Etwa 30cm vor
der Schnittstelle wird der zu entfernende Ast eingeschnitten, bis die
Säge klemmt. Jetzt erfolgt nicht daneben, aber auswärts des
ersten Schnittes der nächste Schnitt von Oben. Bei einem einzigen
Schnitt von Oben würde das Gewicht des Astes große Stücke
aus der Rinde des Baumes reißen und den Baum schwer verletzen.
Der nach dem 2. Schnitt stehen gebliebene "Hutfänger"
darf nicht stehen bleiben, da er Eingang für Pilze und Fäulnis
ist. Sämtliche Schnittränder müssen mit der Hippe glatt
geschnitten werden .Denn nur so kann eine Schnelle Kallusbildung erfolgen.
Das schneiden von Ästen
Das Schneiden von Ästen gehört zu den alltäglichen Aufgaben
eines Baumpflegers. Und dennoch sind nach SHIGO falsch geschnittene
Äste die Hauptquelle für spätere Ausfaulungen. Oberstes
Gesetz sollte sein, vorausschauend und so früh wie möglich
zu schneiden.
Nicht die Menge des Schnittgutes ist entscheidend für einen guten
Schnitt, es setzt eher eine gute Kenntnis des Baumes in all seinen Bereichen
und Lebenslagen voraus. Es erfordert ein reichliches Maß an Überlegungen:
Was entfernen, wie viel, wann, wie, wie oft, in welcher Form usw.
Fachgerechter Astschnitt
Zwischen Stamm und Ästen entsteht bei den meisten Bäumen eine
äußerlich sichtbare Rindenleiste. Diese ist besonders gut
bei Birken erkennbar.
Wichtigste Regel für einen fachgerechten Baumschnitt ist es, niemals
den Astkragen Wegzuschneiden oder zu beschädigen. Dies gilt für
lebende sowohl wie für tote Äste.
Für Koniferen gilt: Soll ein Baum gekappt werden, dann darf der
Schnitt nicht im rechten Winkel zur entfernenden Spitze durchgeführt
werden, sondern außerhalb der Rindenleiste.
Stammparalleler Schnitt ( flush cut ) - Schnitt
auf Astring
Äste sind am Baum befestigt, indem sich zuerst ein Astkragen bildet,
der später vom Stammkragen überwachsen wird. Fäulnisverursachende
Mikroorganismen verbreiten sich meist nicht über diese in das Holz
des Stammes hinein. Tote Zweige werden an dieser Stelle abgestoßen
( Sollbruchstelle ). Wird der Kragen beim Beschneiden verletzt, können
die Schädlinge ungehindert eintreten und ihren Schaden anrichten,
da die Zone dieser Kragen antimikrobielle Substanzen enthält.
Bereits im Jahre 1756 schrieb BÜCHTIMG, und später 1878 HARTIG,
dass diese Kragen besonders der Astkragen, nicht entfernt werden dürfen.
SHIGO vertritt in seinen Veröffentlichungen ebenso diese Forderung
auf das eindringlichste. Auch andere Baumexperten sind der gleichen
Meinung. Trotzdem erlebt man immer wider das Entfernen dieses Astkragens,
weil dieser Schnitt einfacher ist und ein sich bildendes Wundholz (
früher Kallus genannt ) an den Schnitträndern als Heilung
angesehen wird. Unter Heilung wird allgemein verstanden, dass die verletzten
Organe bzw. Zellen einer Wunde an der gleichen Stelle regeneriert oder
erneuert werden. Das ist aber bei Bäumen nicht möglich. Diese
können nur mit neuen Geweben Wunden verschließen. Die Wunden
selbst bleiben beim Aufschneiden des Baumes sichtbar. Der Schnitt ist
deshalb so schädlich, weil beim Schnitt der Astkragen entfernt
wird, wo der Baum die Abwehrmaßnahmen gegen das Eindringen der
Schädlinge bereits vorgebildet hat. Am deutlichsten ist dieser
Kragen bei Totästen vorgebildet und erkennbar. Der flush cut führt
zu einer erheblichen Vergrößerung der Wunde, bis um das Dreifache
gegenüber dem Schnitt auf Astring, besonders bei Bäumen mit
ausgeprägten Ast- und Stammkragen. Gleichzeitig greift er in das
Holz des Stammes ein und führt dort zu stärkeren Verfärbungen.
Dieser Schnitt, ebenso wie zurückgelassene Aststümpfe („Kleiderhaken")
gehören zu den größten Verursachern von weiteren Baumproblemen.
Auch abgestorbene Flächen unter der Wunde und schlechter Wundholzwuchs
gehören zu den Folgen.
Schnitt von Zwillingsstämmen
Einer der beiden Stämme sollte so schnell wie möglich entfernt
werden. Dabei wird der Schnitt schräg von unten nach oben geführt,
und zwar von der waagerechten Projektion des unteren Endes der Stammrindenleiste
hin, falls keine eingeschlossene Rinde vorliegt.
Ist die Rindenleiste nach innen gewendet, eingeschlossen,
und demzufolge die Verbindung schwach, wird der Stämmling geschnitten,
der von dem anderen gewissermaßen umschlossen wird. Mitunter genügt
es, diesen Stämmling um ein Drittel zu entlasten. Schließlich
kann man auch beide Stämmlinge unter Umständen verkabeln.
Beide Stämmlinge sollen jedoch nicht zur gleichen Zeit entfernt
werden.
Beim Schnitt von Ästen mit eingeschlossener Rinde
muss große Sorgfalt verwandt werden, weil dabei zuviel passieren
kann, zumal man dabei oft mit der Spitze der Säge arbeiten muss.
Kallus- Wundholz
Unter den Prozessen, die bei einer Baumverletzung beginnen, ist der
wohl wichtigste die Bildung von Kallus und Wundholz. Das Kambium beginnt
sofort mit der Bildung großer undifferenzierter, d.h. noch nicht
spezialisierter Zellen, im Bestreben, die Wunde zu überwachsen.
Im Gegensatz zu den Zellen auf seiner Innenseite, die das Xylem bilden,
sind diese neuen Kalluszellen auf der Außenseite frei in ihrer
Ausformung. Sie sind nicht in feste Grenzen eingebunden wie auf der
Xylem-Seite. Erst nach einer gewissen Zeit beginnen sie mit einer Ausformung,
d.h. Spezialisierung nach bestimmten Aufgaben. Dabei verholzen sie.
So entsteht aus den Kalluszellen das Wundholz, das sich in Form von
Rollen oder Wülsten langsam über die Wunde auswächst.
Diese Wundholzbildung wird fälschlich als Heilung
bezeichnet, obwohl es damit nicht das Geringste zu tun hat. Eine Baumwunde
kann nicht heilen, sondern nur abgeschottet und nach außen von
Wundholz überwachsen werden, so dass eine ggf. entstandene Fäulnis
zum Stillstand gelangt, aber im Baum, wenn man ihn aufschneidet, immer
sichtbar bleibt.
Schnittzeiten
Als beste Baumschnittzeit wird das Ende der Winterruhe empfohlen. Die
kritischste Zeit ist die Zeit des Blattaustriebes, besonders bei Ulmen
und Eichen. Denn zu dieser Zeit nimmt man ja dem Baum einen Teil seiner
Energiespeicher fort, derer er beim Blattaustrieb dringend für
den Aufbau neuer Blätter bedarf. Erst wenn diese voll ausgebildet
sind und das Sonnenlicht in Energie umwandeln können, darf ohne
größeren Schaden geschnitten werden, wenn es eben sein muss.
Die Reaktion auf eine Verletzung, einen Schnitt, hängt
wesentlich von den Speicherstoffen ab, ihrer Menge und Mobilität,
und auch vom Aufbau des Hydrosystems. Im Winter kann keine Abschottung
erfolgen, da in der Ruhepause der Bäume die Kohlenhydrate als Stärke
eingelagert und deshalb unbeweglich sind. Das Verhalten wurde bei einer
Buche untersucht.
„Bei den April-Wunden stirbt weniger Kambium am Wundrand ab, und
die Kallusbildung ist stärker als bei den anderen Zeiten. Die Verfärbung
ist bei der Dezember-Bohrung um 30% vergrößert, bei der Februar-Bohrung
sogar um 100% im Vergleich zu den Verletzungen im Oktober und April."
Das Bluten bei Ahorn, Birke, Nussbaum schadet den Bäumen
kaum, da es aufhört, sobald die Gefäße verstopft sind.
Bluten gehört zur Abwehr von Krankheitserregern. Auf dem ausströmenden
zuckerhaltigen Saft können Hefepilze sich einfinden (Schaumbildung).
Hefe bildet sich durch Veratmung von Glucose ohne Sauerstoff (Gärung).
Ihr Resultat ist Alkohol. Man darf den Saftaustritt nicht mit dem Austritt
von Flüssigkeiten bei Nassholz verwechseln.
Gummifluss ist die Folge von Insektenbefall, die Löcher
in das neu gebildete Xylem bohren, und zwar besonders bei gestressten
Bäumen. Er löst keine Probleme aus, sondern zeigt an, dass
etwas nicht in Ordnung ist.
Formen von Wunden
Zerfetzte Wundränder und verletztes Holz müssen mit einem
scharfen Messer glatt geschnitten werden, und zwar entlang dem Verlauf
der Wundränder. Die Wunde selbst soll so klein wie möglich
gehalten werden. Es ist verkehrt, hierbei die Säge einzusetzen.
Bei Bäumen mit dicker Borke kann der Wundrand zerfetzt sein, das
Kambium aber nicht. Mit der Säge kann in einem solchen Fall zu
leicht das Kambium beschädigt werden.
Eine spitzovale oder -elliptische Formung vergrößert nur
die Wunde. Das Wundholz um so geformte Wunden wächst unten nicht
ganz zusammen, es verbleiben Spalten, die Mikroorganismen den Zutritt
ermöglichen.
|